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Sicher und patientenschonend - die moderne Bandscheibenchirurgie

 

Schätzungen zufolge leiden mehr als 90 Prozent der Deutschen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal unter Kreuzschmerzen; bei einigen Hunderttausend werden sie zu einem ständigen Begleiter. Chronische Schmerzen im Lendenwirbelsäulenbereich, vor allem wenn ein Bandscheibenleiden ursächlich verantwortlich ist, sind konservativen Therapiemaßnahmen meist nur noch schwer zugänglich. In der Neurochirurgie kommen moderne Operationsverfahren zum Einsatz, mit denen dem Betroffenen ebenso risikoarm wie effektiv geholfen werden kann.

 

Herr Dr. Schröder, was sind die häufigsten Ursachen für Kreuzschmerzen?

Dr. Schröder: Der Lendenwirbelsäulenbereich ist der Abschnitt der Wirbelsäule, der bei vielen Menschen einer besonders großen Belastung ausgesetzt ist. Dadurch wird die Lendenwirbelsäule mit der Zeit anfällig für Schmerzsyndrome. Im jüngeren Lebensalter oder bei körperlich anstrengenden Berufen gehen Lendenwirbelsäulenprobleme meist auf eine chronische Überlastung der Muskulatur und des Weichteilgewebes oder auf statische Fehlhaltungen zurück. Bis zu einem gewissen Grad ist aber auch der natürliche Alterungsprozess verantwortlich, denn ebenso wie alle anderen Bestandteile des Skelettsystems ist auch die Wirbelsäule von degenerativen Veränderungen betroffen, wie sie nun einmal typisch für das Älterwerden des Körpers sind. Oft wirkt sich der chronische Verschleißprozess auf die Wirbelgelenke sowie die beteiligten Band- und Weichteilstrukturen aus. Einer degenerativ veränderten Bandscheibe kommt jedoch bei anhaltenden Kreuzschmerzen meist eine Schlüsselrolle zu. Auslöser sind in der Regel mechanische Faktoren, wie beispielsweise schweres Heben, Bück- oder Drehbewegungen, vorzugsweise nach längeren Anstrengungen. Während sich die Schmerzen zu Beginn häufig nur gelegentlich bemerkbar machen, treten sie im Verlauf dann meist immer öfter auf und nehmen an Intensität zu. Der Übergang zum chronischen Rückenschmerz ist fließend, so dass die Schmerzen schließlich auch in den Erholungsphasen bestehen. Spätestens jetzt ist es angezeigt, sich möglichst rasch professionelle Hilfe zu suchen.

 

Lässt sich von der Art des Schmerzes auf die Ursache schließen?

Dr. Schröder: Ja, Art und Ort des Schmerzgeschehens liefern dem erfahrenen Neurochirurgen sogar wichtige Anhaltspunkte, um welche Problematik gilt: Bandscheibenschmerzen können sich sowohl auf den Rücken beschränken als auch in Beine und/oder Gesäß ausstrahlen. Durch verschleißbedingte Vorwölbungen der Bandscheiben oder Bandscheibenvorfälle können Nervenwurzeln und Bandstrukturen unter Druck geraten, wodurch ein charakteristischer Schmerz ausgelöst wird, der im Sitzen und typischerweise auch beim Husten und Pressen stärker wird. Durch den Druck sind die Nerven einem permanenten Reizzustand ausgesetzt, was dazu führt, dass die Schmerzen in die durch die betroffene Nervenwurzel versorgte Haut und Muskulatur ausstrahlen. Sind vor allem die kleinen Wirbelgelenke von einem Verschleiß betroffen, ist dieser Schmerz nur im Kreuz zu spüren und nimmt beim Sitzen und Vorneigen des Rumpfes typischerweise ab. Schmerzen durch einen zu engen Wirbelsäulenkanal verstärken sich unter Belastung und strahlen dann in die Beine aus, oft können Betroffene nur noch wenige hundert Meter gehen und müssen dann stehen bleiben, damit der Schmerz nachlässt.

 

An welchen Arzt wendet man sich denn am besten mit Kreuzschmerzen bzw. Bandscheibenproblemen?

Dr. Schröder: Idealerweise wendet man sich an einen Facharzt für Neurochirurgie. Keine andere Facharztgruppe wird in der täglichen Praxis so häufig mit der Problematik Kreuzschmerz und Bandscheibe konfrontiert. Neurochirurgen sind mit der ebenso komplexen wie diffizilen Anatomie der Wirbelsäule bestens vertraut, sie haben eine mehrjährige mikrochirurgische Ausbildung absolviert und sie können am besten beurteilen, ob operiert werden sollte bzw. welches chirurgische Verfahren infrage kommt. Stichwort Bandscheibenoperation.

 

In den letzten Jahren wurden Bandscheibenoperationen zumindest in den Medien überwiegend kritisch bewertet...

Dr. Schröder: ... sicherlich gab es hierzulande Zeiten, in denen bei der Diagnose „Bandscheibenvorfall“ zu schnell zum Messer gegriffen wurde. Hinzu kommt: Viele Jahre bedeutete die operative Therapie eines Bandscheibenvorfalls eine große offene Operation, die für den Betroffenen nicht nur eine lange Rekonvaleszenz bedeutete, sondern auch mit einem hohen Komplikationsrisiko verbunden war. Es kam immer wieder vor, dass der Bandscheibenvorfall zwar beseitigt war, die Patienten aber dennoch weiterhin unter starken Schmerzen litten – die manchmal sogar heftiger als vor der Operation waren. Diese auch als Postnukleotomiesyndrom bezeichnete häufige Folge einer Bandscheibenoperation geht auf Narbengewebe zurück, das sich im Rahmen der „Wundheilung“ bildet und nun – statt der Bandscheibe – ebenfalls den Nerv bedrängt. Solche postoperativen Erscheinungen erfolgreich zu behandeln, ist häufig ausgesprochen schwierig. Daher werden diese offenen Operationen von Spezialisten heute praktisch nicht mehr durchgeführt.

 

Wie wird denn heute operiert?

Dr. Schröder: Die eine „allheilbringende“ Operationstechnik zur Behebung eines Bandscheibenleidens gibt es nicht. Vielmehr geht es darum, eine optimale Behandlungsstrategie zu entwickeln, die genau auf die individuelle Krankheitsgeschichte jedes einzelnen Patienten abgestimmt ist. Einige Verfahren der Mikrotherapie, wie z.B. spezielle Kathetertechniken oder gezielte Injektionen in die Bandscheibe, können unter Umständen auch bei Bandscheibenerkrankungen zum Therapieerfolg führen. Wenn allerdings neurologische Ausfallerscheinungen, wie z.B. Lähmungen oder Reflexausfälle, bestehen und/oder wenn konservative Maßnahmen keine Besserung erbracht haben, lässt sich ein Bandscheibenvorfall nur operativ beheben. Hier bieten sich verschiedene moderne Operationstechniken an, die alle eines gemeinsam haben: dass sie sicher und patientenschonend sind.

 

Welche OP-Techniken sind das im Einzelnen?

Dr. Schröder: Welche im Einzelfall besonders geeignet ist, richtet sich im Wesentlichen danach, wo genau das Geschehen lokalisiert ist. Bei Veränderungen, die sich tief im Spinalkanal manifestieren, ist ein mikrochirurgisches Vorgehen sicherlich in den meisten Fällen die Methode der Wahl: Die Mikrochirurgie hat für diese Indikation die offenen Operationen sozusagen als „goldenen Standard“ abgelöst. Der Zugang zum Operationsgebiet wird dabei über einen kleinen Hautschnitt geschaffen. Durch eine kleine Fensterung im Knochen gelangt man nun direkt an den Bandscheibenvorfall. Das vorgefallene Gewebe wird entfernt und so die Nervenwurzel dekomprimiert. Sehr gute Sichtinstrumente, wie z.B. ein Operationsmikroskop, erlauben uns exzellente Einblicke direkt in den Ort des Schmerzgeschehens und die tiefer gelegenen Strukturen; der Einsatz von feinen Arbeitsinstrumenten ermöglicht eine gewebeschonende Vorgehensweise. Die Vorteile spürt der Patient unmittelbar: Abgesehen von einer sofortigen deutlichen Schmerzreduktion, ist auch die Erholungsphase recht kurz: In der Regel genügt ein fünftägiger stationärer Aufenthalt, danach kann der Patient wieder nach Hause gehen. In den nächsten zwei bis drei Wochen sollte er sich auf jeden Fall noch schonen; spezielle Reha-Maßnahmen sind jedoch nicht erforderlich.

 

Sind auch endoskopische Verfahren eine Option?

Dr. Schröder: Wenn die Lokalisation des Bandscheibenvorfalls dies erlaubt, auf jeden Fall. Voraussetzung ist, dass sich das krankhafte Geschehen nicht in der Tiefe des Spinalkanals abspielt, sondern der direkten Sicht zugänglich ist. Fakt ist allerdings, dass mit einem Endoskop praktisch nur geradeaus geschaut werden kann, das heißt der Überblick über die Gesamtsituation ist nicht so umfassend wie bei der Mikrochirurgie. Dadurch gestaltet sich auch das Arbeiten „um die Ecke“ nach oben oder unten im Wirbelkanal äußerst schwierig bis hin zu unmöglich. Im Wirbelkanal frei schwimmende Sequester – so werden die vom Bandscheibenkern abgespaltenen Teilchen genannt – sind endoskopisch oft nicht leicht zu fassen. Die Rezidivrate ist daher nach endoskopischen Operationen etwas höher als nach mikrochirurgischen Eingriffen. Vor- und Nachteile beider Verfahren müssen also für jeden Einzelfall sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Beherrschen sollte der Operateur, meiner Meinung nach, beide Methoden. Die Kunst besteht in der korrekten Indikationsstellung für das eine oder das andere Verfahren.